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Gedanken

Was ist eigentlich ein Social Business?

geschrieben von 1. April 2021Juli 26th, 2021Keine Kommentare

Social Business (Sozialunternehmertum) steht als Begriff für Wirtschaftsunternehmen, die sich sozialen und gesellschaftlichen Zielen verpflichtet haben und tatsächlich das leben, was sie kommunizieren. Zahllose Firmen schreiben sich Begriffe wie Nachhaltigkeit, sozialer Mehrwert oder ökologisches Wirtschaften auf die Fahnen. Diese Worte kommen bei den Kunden gut an, sind aber in vielen Fällen nicht wirklich real: Wir hören und lesen immer wieder von Produktionen in fernen Ländern, in denen kaum Standards gelten und die Bevölkerung bei schlechten Bedingungen für einen minimalen Lohn arbeitet; oder wir sehen Stapel von überflüssigen Verpackungen und kennen zahllose Beispiele, die dem Tierwohl entgegenstehen. Da nützt es nur wenig, wenn Firmen, die beispielsweise einen schlechten ökologischen Fußabdruck abgeben, ein paar Bäume irgendwo pflanzen (wenn sie es überhaupt tun). Worin bestehen also die Unterschiede von nur scheinbar sozialen zu tatsächlich sozialen Unternehmen?

Juli 2021. Zunächst einmal gilt es, die Begriffe, die in diesem Zusammenhang auftauchen, zu definieren. Ein echtes Sozialunternehmen kann, muss aber nicht auf Profit aus sein, um soziale Projekte zu fördern. So kann es als gemeinnützige GmbH wirken, die keinerlei Gewinn macht. In diesem Fall ist es auf Spenden und Zuwendungen aller Art angewiesen. Solche Zuwendungen können vom Bund, aber auch von privaten Sponsoren kommen. Andererseits entschließt sich manche profitorientierte Firma dazu, sich gesellschaftlich zu organisieren. Das Engagement kann firmenintern wie nach außen unternommen werden. Soziales Engagement, das im Endeffekt sogar auf anhaltende Veränderungen in der Gesellschaft ausgerichtet ist, versteht man als Social Entrepreneurship. Das Unternehmen kann sich zum Beispiel aus nicht-politischen Interessenverbänden gründen (Non-Government Organisationen = NGOs) und bleibt dann mit diesen oft eng verbunden. Es ist auch möglich, wenn auch seltener, dass solche Sozialunternehmen aus einer „normalen“ Firma oder einem Konzern heraus gestartet werden.

Vielseitig aufgestellt

Die gesellschaftlichen Themen, mit denen sich Sozialunternehmen beschäftigen, sind breit gefächert. Es geht zum Beispiel um die Schaffung neuer Jobs, um Inklusion und Behindertenarbeit, das Tierwohl, die Bekämpfung der Armut, die allgemeinen Menschenrechte, um Umweltschutz und Bildung. Ziel ist eine Gemeinwohl Ökonomie. Zu diesem Zweck werden bei Unternehmen wie einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH) erwirtschaftete Gewinne nicht an Shareholder ausgezahlt, sondern reinvestiert, um dem sozialen Engagement der Firma zur Verfügung zu stehen. Eine Ausnahme ist nur zulässig, wenn die Empfänger ebenfalls gemeinnützig arbeiten.

Politik und soziales Unternehmertum

Eine bedauernswerte Tatsache ist, dass soziale Firmen von der Politik nur bedingt ernst genommen werden. Das gilt für Non-profit-Unternehmen noch mehr als für gewinnbringende Firmen, die auch ein gesellschaftliches Engagement vorweisen können. Hilfreich kann es sein, sich zusammen zu organisieren, beispielsweise als SEND e.V. Mitglieder. Dieser Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, dem Sozialunternehmertum eine starke Stimme zu geben. Dazu sind natürlich auch die Firmen selbst nötig, die sich zeigen und über ihre Arbeit berichten müssen. Manch ein Firmenchef mag es vielleicht lieber, nicht so auffällig aufzutreten, doch in diesem Fall sollte er über seinen Schatten springen. Hier gilt der bekannte Spruch: Tue Gutes und rede darüber.

Bisher fühlen sich Sozialunternehmer von der Politik eher ausgebremst. Als SEND e.V. Mitglied ist es das Ziel, von politischer Seite mehr Unterstützung zu gewinnen. Dazu gehören neue beziehungsweise erweiterte Rahmenbedingungen, die den Weg zu mehr Nachhaltigkeit, zur Gemeinwohl Ökonomie und zu anderen gesellschaftlichen Ideen erleichtern und nicht erschweren. So entsteht für alle Menschen sozialer Mehrwert, der sich auch auf zukünftige Generationen positiv auswirkt.

Zu diesem Zweck hat der Verein einige Grundforderungen aufgestellt, die das Verhältnis zwischen Politik und sozialem Unternehmertum verbessern sollen. Diese Kernforderungen beginnen damit, dass es zukünftig ein offizielles Amt und einen Ansprechpartner für
Social Business geben sollte; bisher fühlt sich niemand dafür zuständig, es existiert keine Anlaufstelle. Darüber hinaus sind die Fördermodelle zu modernisieren, sie stecken in alten Strukturen und tragen nicht wirklich. Der dritte Punkt ist der dringende Ruf nach sozialen Innovations- und Gründungszentren, die bisher nicht existieren.

Nationales und internationales Engagement

Der Wunsch in Deutschland nach Social Entrepreneurship ist da, ebenso wie international. Ein Unternehmen wie Greenpeace mag in seinen einzelnen Aktionen umstritten sein, doch ist es eine Wegmarke in Sachen gesellschaftlicher Wandel. Man darf sich fragen, wo unsere Einstellungen nicht zuletzt zum Klimawandel ohne solches Engagement heute wohl wären.

Deutsche Unternehmen sind häufig regional beschränkt. So kümmert sich Moogoo aus Frankfurt am Main um handgefertigte Möbel aus Burkina Faso und Kuchentratsch aus München um das gemeinsame Kuchenbacken von Senioren. Es gibt bereits sehr viele dieser kleineren Unternehmen, die auf der Suche nach besseren Bedingungen fantastische Ideen tatkräftig umsetzen. Interessant ist die Tatsache, dass deutsche Sozialfirmen mit einer knappen Mehrheit von Frauen geführt werden. Es wird dringend Zeit, solchen innovativen Ideen die passende Grundlage zu bieten, denn sie sind auf Dauer unverzichtbar und wahrscheinlich sogar (über-)lebenswichtig.

Sozialer Kapitalismus

Muhammad Yunus, ein bengalischer Wirtschaftswissenschaftler, der 2006 den Friedensnobelpreis erhielt, hatte die Idee, dass „die Struktur des Kapitalismus vervollständigt werden“ muss, und zwar durch die Gründung von Social Entrepreneurship. Das ist eine Grundlage, auf der soziales Handeln möglich sein sollte. Der Kapitalismus wird nicht verdammt, sondern in das soziale Handeln eingebunden. Davon profitieren die Firmen und Mensch wie Natur. Diese Win-win-Situation muss die Politik unterstützen. Seine von ihm mitgegründete Grameen Bank vergab Mikrokredite, also Kleinkredite an Menschen in Entwicklungsländern. Als er 2011 als Geschäftsführer aus Altersgründen entlassen wurde und die Wiedereinstellung nicht einklagen konnte, sah er sein Lebenswerk scheitern, da die Bank seiner Ansicht nach auf reines Profitstreben aus war.

Es ist also auch in anderen Teilen der Welt nicht leicht, ein soziales Unternehmen erfolgreich zu führen, wenn es Menschen gibt, die nur auf eine Gewinnmaximierung aus sind.

Fazit

Der Gedanke der Nachhaltigkeit ist weit verbreitet, doch die Aktionen dazu sind es oft nicht. Social Business wird in der Zukunft jedoch immer wichtiger werden, wenn wir ein lebenswertes Dasein auf diesem Planeten für uns, unsere Kinder und Kindeskinder erhalten wollen. Ein solcher sozialer Mehrwert entsteht allerdings nicht von allein. Daher ist nicht nur das Engagement von möglichst vielen Menschen wichtig, sondern auch eine entsprechende Förderung durch den Staat.

Nela

Nela

will Kreativität fördern und kleine und große Träumer ermutigen, ihre Ideen wahr zu machen und glückliche Lebenskünstler zu werden.

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